Die Stelle des IT-Leiters oder auch Chief Information Officer (CIO) ist eine der Schlüsselfunktionen im Unternehmen. Es gibt viel zu beachten. Bei der Auswahl kann man vieles richtig, aber auch vieles falsch machen. Wir haben die zehn wichtigsten Fragen gesammelt und von zwei Experten beantworten lassen.

#1 Was zeichnet einen guten CIO aus?

Der Kandidat muss eine ganz klare, dynamische Perspektive für sich selbst, aber auch für die Zukunft der IT im Unternehmen haben. Er soll seinen Aufgabenbereich nicht nur ordentlich am Laufen halten, sondern gezielt strategisch weiterentwickeln und optimieren. Dazu gehören Begeisterung für Technologie und Führungsqualität für motivierte Mitarbeiter, die sich ebenfalls gut entwickeln sollen. Zudem muss er alle Abteilungen, das Kerngeschäft des Unternehmens sowie die Kunden wirklich verstehen, damit seine Lösungen konsequent praxisorientiert und erfolgreich sind.

#2 Worauf sollte man im persönlichen Gespräch mit dem Kandidaten besonders achten?

Persönliche Integrität und kommunikative Fähigkeiten sind sehr wichtig. Der Bewerber muss seinen Werdegang souverän und ehrlich reflektieren. Die angestrebte Position sollte von der Ebene und vom Anspruch her passen, ebenso seine Erfahrungen und Perspektiven. Unternehmen praktizieren unterschiedliche Führungsstile, auch dort ist die geeignete Mentalität gefragt. Weiterhin gilt es, die Fachsprache des Bewerbers richtig zu deuten. Resultiert sie aus einem Inseldenken heraus oder dient sie als kommunikatives Hilfsmittel?

#3 Welches besondere Merkmal braucht ein IT-Leiter in einem mittelständischen Unternehmen?

Beim Mittelständler sind eher hochgekrempelte Ärmel anzutreffen. Auch als Abteilungsleiter packt der IT-Leiter gut dosiert mit an und delegiert weitsichtig, verliert neben dem Tagesgeschäft aber nicht die mittel- und langfristigen Projekte aus dem Auge. Er hat Augenmaß für die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Unternehmens und fordert nicht laufend zum Selbstzweck die neueste Technologie.

#4 Wie ändert sich das Anforderungsprofil in einem Konzern?

Im Konzern ist mehr der Lenker, Analytiker und leidenschaftliche Stratege gefragt. Die Klaviatur der Industriestandards ist ihm vertraut. Er beobachtet aufmerksam die Wettbewerbsfähigkeit seines Unternehmens und initiiert mit gutem Durchsetzungsvermögen auch umstrittene Veränderungen, die unverzichtbar sind. Nachhaltiges Change-Management ist ihm wichtig. Die Möglichkeiten und Spielräume, die ein großer Konzern bietet, nutzt er geschickt für die Weiterentwicklung aller Beteiligten. Er vermarktet sich und seine Abteilung und verhindert damit autonome IT-Entscheidungen der Fachabteilung.

#5 Welche Fehler werden bei der Rekrutierung von IT-Leitern am häufigsten gemacht?

Es ist immer wieder zu beobachten, dass potenzielle Arbeitgeber zu sehr auf Branchenerfahrung und spezielle Technologien fokussiert sind. Das kommt dann im Anforderungsprofil manchmal noch vor Führungspersönlichkeiten und gefestigtem, weiträumigem Technologieverständnis. Das ist schade, weil dadurch viel Potenzial verschenkt wird, das ein Bewerber mit einem anderen Horizont mitbringen könnte. Spezialisierte Personaldienstleister verfügen über die Erfahrung, solche Aspekte ausgewogener und mit einem weiteren Blickwinkel ohne Betriebsblindheit zu betrachten. Und natürlich bleiben Profis am Ball! Oft springen die besten Kandidaten ab, wenn das Unternehmen sich zu viel Zeit lässt und der Bewerber sich für ein anderes Angebot entscheidet.

#6 Wie ist der Markt im Hinblick auf verfügbare Kandidaten?

Wer wirklich gute Angebote macht, kann wirklich gute Leute bekommen. Aber: Der Bewerber möchte auch begeistert werden. Dazu gehört nicht nur ein gutes Gehalt mit attraktiven Sachleistungen. Auch der Standort muss eine Perspektive für eine ausbalancierte Lebensqualität bieten. Das wird immer wichtiger. Unattraktive Regionen sind nur schwer oder gar nicht zu besetzen.

#7 Mit welchen Qualifikationen und Schwerpunkten in der Ausbildung sowie in der Karriere sind die Perspektiven für beide Seiten besonders gut?

Die Favoriten sind natürlich Absolventen der Informatik und Wirtschaftsinformatik, gefolgt von Elektrotechnik und BWL. Es gibt vereinzelt auch sehr talentierte Quereinsteiger ohne akademischen Abschluss, die ihren Weg konsequent und zielorientiert gehen. Die einen Personalentscheider achten mehr auf die Noten, die anderen mehr auf die erfolgreich abgewickelten Projekte. Über die Passgenauigkeit zu einem Arbeitgeber sagen Projekte meist mehr aus. Etwas überdurchschnittlich begehrt sind ehemalige Mitarbeiter aus einem IT-Systemhaus. Denn dort ist jemand stärker den neusten Technologien ausgesetzt und erfährt mehr und breiteren Fortbildungsdruck als auf Kundenseite. Der IT-Leiter eines Mittelständlers muss sich heute vom IT-Administrator stärker zum Controller/Outtasker entwickeln, weil es unter Umständen nicht mehr wirtschaftlich ist, IT selbst zu betreiben. Solchen Luxus leisten sich heute nur noch die Großen. Und selbst dort ist das Outtasking von Spezialthemen längst an der Tagesordnung.

#8 Informationstechnologie entwickelt sich rasant und wird immer komplexer. Ändern sich dadurch auch Strategien für die Auswahl von Kandidaten?

Der IT-Leiter muss sich laufend vom Administrator zum IT-Controller weiterentwickeln. Er muss Outtasking- und Outsourcing-Modelle objektiv prüfen, bewerten und gegebenenfalls entsprechende Prozesse einleiten und führen – auch wenn damit Interessenkonflikte verbunden sein könnten. Er muss die langfristigen Unternehmensziele im Fokus haben. Das macht einen Profi aus.

#9 Welchen Stellenwert hat ein IT-Leiter für das Unternehmen?

Große Firmen haben begriffen, dass IT kein schwarzes Loch ist, in dem einfach Unsummen verschwinden. Strategisch gelenkte IT mit dem richtigen Personal ist ein zentraler Aspekt für die Steigerung der Wertschöpfung eines Unternehmens. Der IT-Leiter entwickelt sich also mittelfristig vom „Festplattenwechsler” zum „Business Process Manager”, der immer wieder Weichen stellt.

#10 Was sollte ein IT-Leiter verdienen?

Diese Frage ist nur schwer zu beantworten. Wie bei jeder Gehaltsfrage spielen viele Faktoren eine Rolle: die geographische Lage, die Berufserfahrung des Kandidaten, die Unternehmensgröße und das interne Gehaltsgefüge. Bedenken Sie aber: Ein IT-Leiter ist kein Computer-Fuzzi, der sich im dunklen Kämmerchen um ein bis zwei Server kümmert. Die IT ist oft das Herz Ihrer Technik. Der CIO ist Hausarzt, Kardiologe und Reha-Spezialist in einem. Ein Mann oder eine Frau mit viel Verantwortung also. Allein bei mittelständischen Unternehmen von 50 bis 500 Mitarbeitern reicht die in Umfragen angegebene Gehaltsspanne von 65.000 bis 120.000 Euro.

UNSERE EXPERTEN

Ralf Schaufler ist Vorstand Technik der LEITWERK AG aus Appenweier, zu der auch die Inhaltsgesellschaft LEITDESK gehört, die sich um IT-Personalberatung und -vermittlung kümmert. Er hat Elektro- und Informationstechnik in Karlsruhe studiert und anschließend seine Karriere bei LEITWERK begonnen. Schaufler ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen.

Lars Fink ist Gründer und Geschäftsführer von Next Level, einer auf die Vermittlung von IT-Experten spezialisierten Personalberatung aus Köln. Er hat Volkswirtschaft in Tübingen, Edinburgh und Köln studiert, wo er schließlich auch promovierte. 2010 gründete er Next Level. Fink ist verheiratet und Vater einer Tochter.

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